Hessischer Sozialminister besucht AIDS-Hilfe Frankfurt
12. Juli 2012 Grüttner bedauert Schließung des Regenbogendienstes / Austausch über die aktuelle Situation und neue Projekte
Mit großem Interesse an der Arbeit der Organisation hat der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner die Geschäftsstelle der AIDS-Hilfe Frankfurt (AHF) besucht. Er folgte damit einer Einladung des AHF-Geschäftsführers Achim Teipelke. In dem folgenden Informationsgespräch ging es um die aktuelle Arbeitssituation und um neue Projekte, mit denen die Organisation auf die Entwicklung im Zusammenhang mit HIV und AIDS antworten wird. „Mich interessieren vor allem zwei Dinge: Wie sieht die Arbeit mit älter werdenden Menschen aus, die HIV-positiv sind oder an AIDS erkranken. Und wie kann die Präventionsarbeit optimiert werden, gerade bei Gruppen, die besonders gefährdet sind, sich mit HIV zu infizieren. Denn jede neue Infektion ist eine Infektion zu viel“, so Grüttner.
Zusammen mit den Fachbereichsleitern gab Achim Teipelke einen Überblick über die Vielzahl an Aktivitäten der AIDS-Hilfe Frankfurt. Der Versorgungsbedarf für Menschen, die wegen der Fortschritte in Forschung und Medizin mit HIV alt werden, sei in der Tat gewachsen. Viele der AHF-Klienten lebten in prekären sozialen Verhältnissen bis hin zu Armut, seien sozial isoliert und litten unter diversen psychischen Problemen. Auf die spezifischen Anforderungen bei der Versorgung dieser Menschen versuche die AIDS-Hilfe auf verschiedenen Feldern zu antworten. Gedacht ist jetzt auch an ein Wohnprojekt für ältere schwule Männer mit und ohne HIV, um ihnen einen diskriminierungsfreien Raum und ein würdiges Altern zu ermöglichen. Aber auch für Jugendliche, die im Zuge ihres Coming Out aus familiären Zusammenhängen fallen, soll eine Wohngemeinschaft geschaffen werden, in der sie begleitet und in ihrem Selbstwerdungsprozess gestärkt werden sollen. „Auch das ist Teil einer wirkungsvollen Präventionsarbeit“, so Teipelke.
Der Geschäftsführer erinnerte daran, dass der AIDS-Hilfe Frankfurt durch das „Aktion sichere Zukunft“ genannte Sparprogramm der Hessischen Landesregierung im Jahr 2004 ein knappes Drittel der Landeszuschüsse gekürzt wurde. „Seitdem hat es keine Erhöhung der Landesmittel mehr gegeben; wir aber mussten derweil mit Tariferhöhungen, der Inflation und Preissteigerungen in vielen Bereichen zurechtkommen“. Diese Einsparungen und die prekäre finanzielle Situation der AHF habe zum Gehaltsverzicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in mehreren Stufen geführt.
Minister Grüttner ließ sich auch über die Gründe für die Schließung des Spezialpflegedienstes „Regenbogendienst“ der AHF zum Ende des Jahres informieren, die er sehr bedauerte. Der Regenbogendienst sei ein Aushängeschild und Alleinstellungsmerkmal der AIDS-Hilfe Frankfurt. Geschäftsführer Teipelke berichtete über die seit dem Schließungsbeschluss unternommenen Versuche, den Pflegedienst in anderer Form für Frankfurt zu erhalten.



