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"In Würde alt werden"

Rückschau auf den Thementag der AIDS-Hilfe Frankfurt

„In Würde alt werden und als schwuler Senior – gerade auch mit HIV – sichtbar zu sein, daran wird sich unsere Gesellschaft gewöhnen müssen. Dafür brauchen wir starke schwule Senioren-Netzwerke. Wir sind die Stonewall-Generation! Uns kriegt keiner mehr zurück in den Schrank! Im Alter erst recht nicht!“ Kämpferisch-selbstbewusst wie immer griff Michael Jähme, Kölner Selbsthilfeaktivist, in die Debatte während des Thementages „Leben im Alter- in Würde alt werden“ ein, den die AIDS-Hilfe Frankfurt organisierte. Fazit der ganztägigen Veranstaltung: In Zukunft wächst der Bedarf an Wohnprojekten und Wohngemeinschaften für alternde Schwule, Lesben, Transgender und Menschen mit HIV und AIDS. Die wenigen bereits vorhandenen Angebote markieren erst den Anfang des Weges, den zu beschreiten einen langen Atem braucht. Um voranzukommen ist der persönliche Einsatz und das Engagement der Betroffenen auf den unterschiedlichsten Ebenen ebenso notwenig wie ein hohes Maß an Professionalität, nicht zuletzt bei den Pflegekräften.

Beispielhaft für diese Feststellung ist das Berliner Projekt Regenbogenvilla, das der Sozialpädagoge Marco Pulver während der Tagung vorstellte. Ende 2010, Anfang 2011 werden die Umbaumaßnahmen in der einstigen Kindertagesstätte zu Ende und das Haus für Interessente bezugsfertig sein. Das Projekt, so Pulver, konnte nur deshalb angegangen werden, weil sich Betroffene in Briefen und Eingaben an den Berliner Senat wandten, um nachdrücklich auf die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung hinzuweisen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Veranstaltung war das Thema „Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonal”. Allein in Hessen gab es Ende 2007 laut Statistik zirka 175.800 pflegebedürftige Menschen, davon schätzungsweise rund fünf Prozent Schwule und Lesben. Stigmatisierung und Ausgrenzung sind auch in der Pflege immer noch Alltag, betroffen davon Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten ebenso wie ältere Schwule, Lesben und Transgender, die auf Hilfe beziehungsweise Pflege angewiesen sind. Die Angst vor Diskriminierung beeinflusst ihre Entscheidung, wo und wie sie ihren Lebensabend verbringen wollen. Nicht wenige ältere Homosexuelle ziehen es ihrer Erfahrungen wegen vor, auch oder gerade im Alter versteckt zu leben und unsichtbar zu bleiben. Ähnliches gilt für HIV-Positive.

Hinzu kommt, dass die Lehrbücher für Pflegeberufe alles andere als auf dem neuesten Stand sind. Insofern ist es nicht verwunderlich, wenn das Pflegepersonal in vielen Heimen keinen ausreichenden Wissensstand in Bezug auf HIV und AIDS sowie auf die Lebenswelten und Biographien homosexueller Männer und Frauen hat. Zudem arbeiten im Pflegebereich heute Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen, in denen zum Teil ganz andere Vorstellungen und Werte hinsichtlich von Homosexualität und HIV herrschen. In diesem Feld gibt es also einen enormen Bedarf an Aufklärung und Fortbildung.

Moderiert von Michael Tappe, dem Fachleiter der AIDS-Hilfe München, und unter reger Beteilung des Publikums, diskutierten unter anderem Heiko Gerlach, Diplom-Pflegewirt aus Hamburg, sowie Michael Jähme und der Diplompädagoge Carlos Stemmerich von der Kölner AIDS-Hilfe. Lisa Weiss berichtete vom Leben und den Entwicklungen in der Kölner „Villa Anders“. Georg Linde von der Frankfurter Telefonberatung für ältere homosexuelle Männer schließlich gab einen Einblick in die hiesigen Verhältnisse.

Finanziell unterstützt wurde die Veranstaltung von:



















































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