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(069) 19411

"Vielfältig verbunden"

Festschrift zum 20jährigen Bestehen der AIDS-Hilfe Frankfurt

29.11.2005 – Die 20jährige Geschichte und Erfahrung der AIDS-Hilfe Frankfurt ist gekennzeichnet durch immer neue Herausforderungen und Veränderungen, durch Erfolge und Misserfolge, durch Erreichtes und Unerfülltes.

Die Anfangsjahre waren geprägt durch den Kampf der Betroffenen gegen gesellschaftliche Ausgrenzung, Diskriminierung und Schuldzuschreibungen. In dieser Zeit war es schwer, der Ohnmacht und der Angst Hoffnung und selbststärkende Identität abzuringen.

Ein entscheidender Wandel setzte mit der Einführung einer erfolgreichen HIV-Therapie Mitte der 90er Jahre ein. Dieser Wandel erforderte in fast allen Bereichen unserer Arbeit ein Umdenken und ein Erarbeiten neuer oder veränderter Konzepte. Gleichzeitig wurde die beginnende Normalisierung von den Zuwendungsgebern dazu genutzt, die Gelder für die Arbeit der AIDS-Hilfe deutlich zu kürzen, so dass immer mehr Angebote nur noch mit geringerer Kapazität aufrecht erhalten werden konnten. Auf Manches musste auch verzichtet werden.

Trotzdem haben wir in 20 Jahren AIDS-Hilfe-Arbeit in Frankfurt auf vielfältige Weise und erfolgreich versucht, die gesellschaftliche Auseinandersetzung zu AIDS durch Aufklärung und parteiliche Lobbyarbeit in vernunftgeleitete Bahnen zu lenken und Integration und Freiheitsrechte für die betroffenen Menschen auch politisch durchzusetzen. Gerade in einer „AIDS-Hochburg“ wie Frankfurt war und ist dies von besonderer Wichtigkeit gewesen. Gerne ist man in Zeiten der Behandelbarkeit von AIDS bereit, die gesellschaftspolitische Verantwortung für diese Krankheit zu privatisieren. Doch der Nachlässigkeit in der gesundheitspolitischen Bewertung folgt die Sorglosigkeit in der individuellen Einschätzung von Gefährdungssituationen auf den Fuß.

Und auch um einer solchen Sorglosigkeit vorzubeugen, soll die vorliegende Festschrift ein geeignetes Medium sein. Denn in ihr wird deutlich, dass der alleinige Blick auf die medizinische Entwicklung verkürzt ist und dass bei der Vielzahl der zu unterscheidenden Betroffenengruppen auch eine Vielzahl von zielgruppenspezifischen Arbeitsansätzen notwendig ist, um die relevanten Gruppen auch tatsächlich zu erreichen. Wer dies nicht aus der Geschichte von HIV und AIDS gelernt hat und meint, alle Fragen mit dem Hinweis auf das Kondom beantworten zu können, der hat von Prävention nicht wirklich viel verstanden.

Von der 20jährigen Geschichte und der Entwicklung unserer Arbeit will die vorliegende Festschrift erzählen. Dass diese Entwicklung nicht als einsame Gewaltanstrengung, sondern nur im Kontakt und in der Zusammenarbeit mit vielen gelingen konnte, soll in ihrem Titel „Vielfältig verbunden“ und in ihrer inhaltlichen Aufarbeitung deutlich werden.

Im Wesentlichen ist diese Festschrift in 4 Blöcke unterteilt:
Im ersten Block geht es um die Vorstellung der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Projekte der AIDS-Hilfe Frankfurt sowie um deren geschichtliche Entwicklung, die in Zeitleisten gesondert zusammengefasst wird. Hierbei geht es vor allem um die Projekte
• La Strada – Drogenarbeit,
• KISS – Männliche Prostitution,
• AG36 – Schwules Zentrum Frankfurt,
• Regenbogendienst – Pflege und Betreutes Wohnen,
• Beratungs- und Fachstelle,
• bASIS – Offene Begegnungsstätte.

Hinzu kommen Beiträge zu bedeutsamen Projekten der Vergangenheit, wie z.B. der Positivenarbeit oder der Zeitschrift „Infact“, oder zur Entste-hung des AIDS-Memorials auf dem Peterskirchhof.
Schließlich finden sich in diesem Block Beiträge zu den Grundsätzen und zur Arbeit des Vereins, zu Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und Fundrai-sing.

Ein zweiter Block der Festschrift ist den 4 großen Festtagen der AIDS-Hilfe, nämlich dem Sommerfest, dem Christopher Street Day, dem Lauf für mehr Zeit und dem Welt-AIDS-Tag gewidmet.

In einem dritten Block kommen 15 externe Autoren zu zentralen Aspekten der Arbeit mit und für Menschen mit HIV und AIDS zu Wort. Diese Beiträge sind den 4 Überschriften „Geschichte“, „Politik“, „Wissen-schaft“ und „Kulturen, Szenen, Lebensweisen und Vielfalt“ zugeordnet.

Schließlich verteilt sich, wenn man so will, der vierte Block über die gesamte Festschrift. In Statements kommen zahlreiche Mitstreiter und Unterstützer, denen wir uns in all den Jahren besonders verbunden fühlten bzw. immer noch fühlen, zu Wort. Trotz der 200 Seiten starken Schrift ist es uns nicht annähernd gelungen, alle in Frage kommenden Personen zu Wort kommen zu lassen. Trotzdem wird auch gerade in die-sen Statements unsere vielfältige Verbundenheit mit jenen Frauen und Männern deutlich, denen das Thema AIDS auch ein persönliches Anliegen ist, für das sie Verantwortung übernehmen und dem sie mit ihrem Engagement immer auch ein Gesicht gaben. In diesem Sinne ist diese Festschrift auch ein Dankeschön an Unzählige.

Ein besonderes Dankeschön gilt „thema communications“. Ohne die Agentur „thema-communications“ wäre die Realisierung dieser Festschrift schlicht undenkbar gewesen. Wir sind nun mal in der Regel in der Situation, dass wir an potentielle Unterstützer mit (zumindest materiell) leeren Händen herantreten. In diesem Fall, wie ansonsten auch, macht das die Suche nicht leichter. Gleichzeitig machen wir immer wieder die Erfahrung, dass es Firmen gibt, die ihre Verantwortung sehen und uns tatkräftig unterstützen. Bei dieser Festschrift fiel die Unterstützung durch „thema-communications“ wirklich besonders tatkräftig aus. Unser be-sonderer Dank gilt Christian Keck, der sich wohl am intensivsten mit unseren Wünschen und Vorstellungen in der Umsetzung auseinanderset-zen musste, aber auch Jörg Schmitz, Martin Weber und Frank Dillmann so wie allen weiteren Sponsoren, die zum Gelingen dieser Festschrift beigetragen haben.
Text: Michael Bohl

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