Veranstaltung

21. 7.
12:00 Uhr

Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen

20 Jahre Gedenktag – ein erfolgreiches Bündnis für Akzeptierende Drogenpolitik

So lautet der Titel des diesjährigen Gedenktags am 21 Juli. Mit diesem Titel soll zum Ausdruck gebracht werden, dass der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebraucher*innen wie kein anderer Aktionstag zum Thema illegale Substanzen Unterstützer*innen unterschiedlicher Couleur vereint. Neben den quasi geborenen Organisationen wie den Eltern und Angehörigen, dem JES Bundesverband und der Deutschen AIDS-Hilfe, vereint unser Anliegen nach einer menschenwürdigen Drogenpolitik auch die Gesellschaft der Suchtmediziner (DGS) den Akzept Bundesverband, viele AIDS- und Drogenhilfen aber eben auch politische Parteien, die Kirchen, einige Städte sowie eine Vielzahl von solidarischen Menschen.

Der Gedenktag jährt sich zum zwanzigsten Mal. Trotz der Tatsache, dass in diesem Zeitraum mindestens 45.000 Menschen an den Folgen von Kriminalisierung, Schwarzmarktsubstanzen sowie HIV und Hepatitis-Infektionen verstorben sind, konnten wir viele positive Veränderungen bewirken. Entscheidende Schritte haben wir allerdings noch vor uns, wie z.B. die Regulierung von Drogenmarkt und -konsum jenseits gegenwärtiger Strafandrohungen. Diese beiden Perspektiven soll der diesjährige Gedenktag am thematisieren.

 

Hier noch etwas zur Geschichte:

Vor 20 Jahren haben die Eltern zum ersten Mal einen Gedenktag für ihre verstorbenen Kinder veranstaltet. In diesen 20 Jahren konnten wir mit unseren Verbündeten, u.a. aus Drogen- und Aidshilfen, Fachgesellschaften und der Eltern- und JES-Selbsthilfe, wichtige Erfolge erzielen.

Denn die insgesamt positive Entwicklung ist nicht zuletzt unserem unermüdlichen Einsatz für eine praxis- und lebensnahe Akzeptierende Drogenpolitik geschuldet:

Die Akzeptanz und Etablierung der Substitutionsbehandlung hat in dieser Zeit stark zugenommen.

In den 90ern mussten Patienten dafür noch schwer krank sein. Heute werden in Deutschland etwa 80.000 Menschen mit einem der verschiedenen, inzwischen dafür zugelassenen Medikamente substituiert. Allerdings sollten sich die Ärzte bei der Wahl des jeweiligen Substitutionsmittels stärker an den realen Bedürfnissen des Patienten orientieren. Mehr Mitsprache wäre hier gewünscht. Leider gibt es insgesamt zu wenig substituierende Ärzte, gerade auf dem Land.

Auch die Behandlung mit medizinischem Heroin (Diamorphin) ist heute eine Option, wenngleich noch immer an deutlich zu wenigen Orten möglich. Die Sonderstellung dieses Medikaments gegenüber anderen Substituten scheint uns nicht sinnvoll zu sein. Durch die Heroinstudie und nachfolgende praktische Erfahrung ist die positive Auswirkung dieser Form der Behandlung für viele Patienten deutlich geworden.

Im Jahr 2000 wurde die gesetzliche Grundlage für den Betrieb von Drogenkonsumräumen gelegt. Eine pragmatische Überlebenshilfe. Noch niemand ist bislang in einem solchen Raum nach dem Konsum gestorben, und durch Verwendung steriler Spritzen ist die Gefahr einer Infektion dort minimiert. Leider sind diese Gesundheitsräume noch zu wenig verbreitet, in einigen Bundesländern gibt es sie gar nicht. Auch die Versorgung der Drogenszene mit Naloxon, einem Heroin-Gegengift, steht erst am Anfang. Und Drugchecking, also Test der Drogen auf Verunreinigungen, bedarf noch gesetzlicher Grundlagen. Insgesamt jedoch ist Harm Reduction, also das Prinzip der Risikominderung, heute zu einer etablierten Säule der Drogenpolitik und -arbeit geworden.

Sucht ist eine behandlungsfähige Krankheit. Eine menschenunwürdige, auf Verbote angelegte Drogenpolitik kriminalisiert viele dieser kranken Menschen unnötig. Die staatliche Übernahme von Verantwortung durch die Schaffung gesetzlicher Möglichkeiten zum Verkauf psychoaktiver Substanzen in dafür qualifizierten Fachgeschäften erscheint uns als gute Lösung. Dadurch würde weitest gehend Kontrolle über den Drogenmarkt erlangt. Schädliche Beimischungen der Substanzen könnten ausgeschlossen werden, und auch der Jugendschutz wäre auf diese Weise zu garantieren.

Ein ideologisch verbohrtes Beharren auf Abstinenz jedenfalls hilft bei dem Thema absolut nicht weiter, das haben die vergangenen Jahre uns wieder in aller Deutlichkeit gezeigt.