Nach über 30 Jahren wird der Kochlöffel niedergelegt: Patient*innen-Restaurant in der Uni-Klinik Frankfurt wird eingestellt

28. September 2020

 Foto von links: Prof. Dr. Christoph Stephan, Achim Teipelke (Geschäftführer AHF), Helga Schmitzberger (Projekt-Koordinatorin), Carsten Gehrig (Fachbereichsleitung Psychosoziales & Prävention)
Foto von links: Prof. Dr. Christoph Stephan, Achim Teipelke (Geschäftführer AHF), Helga Schmitzberger (Projekt-Koordinatorin), Carsten Gehrig (Fachbereichsleitung Psychosoziales & Prävention)

1989 wurde das Patient*innen-Restaurant von einem Pfleger im Haus 68, der Infektionsstation mit HIV-Center der Uni-Klinik Frankfurt am Main, ins Leben gerufen. Unterstützung erfuhr er von den Wirt*innen aus der LSBT*IQ-Szene:  Die Patient*innen auf der Station sollten etwas frisch Gekochtes erhalten, das von den Köch*innen persönlich verteilt wird – Abwechslung im sonst so tristen Krankenhausalltag. Nach einiger Zeit stellte sich die AHF (AIDS-Hilfe Frankfurt) der Aufgabe der Projektkoordination und arbeitet seitdem eng mit der Uni-Klinik für dieses, aber auch andere Projekte, zusammen.

Vor 20 Jahren übernahm Helga Schmitzberger als Hauptamtliche der AHF das Projekt und kochte seither mit hochmotivierten Ehrenamtler*innen. Coronabedingt fand das letzte montägliche Patient*innen-Restaurant am 9. März 2020 statt. Damals war nicht abzuschätzen, dass es auch das letzte Essen überhaupt sein wird. „Ich gehe nun in Rente und mit mir auch viele Ehrenamtliche, die sich seit Jahren an einem oder mehreren Montagen mehrere Stunden die Zeit nahmen, um den Patient*innen mit einem selbstgekochten Drei-Gänge-Menü eine Freude zu machen“, erzählt Schmitzberger.

Das Besondere an diesem AHF-Projekt war, dass die Klient*innen nicht zu den Ehrenamtler*innen kamen, sondern umgekehrt. „Ein Erlebnis ist mir besonders in Erinnerung geblieben: 2019 kam ein Mensch auf Station, der einst einer der ersten HIV-Patienten dort war. Er war sichtlich beeindruckt und gerührt, dass das Projekt immernoch  stattfindet“, so Schmitzberger. „Das wird sicherlich auf der Station fehlen. Aber die Zeiten haben sich auch geändert: Es gibt im Verhältnis zu früher – dank der heutigen Medikamentation – kaum noch an AIDS erkrankte Patient*innen. Deshalb entschieden wir uns, mit meinem Rentenantritt auch das Projekt zu beenden.“ Hinzu kommt, dass das Patient*innen-Restaurant unter der Woche tagsüber veranstaltet wird – hierfür sind kaum noch neue ehrenamtlich Tätige zu finden. „Manchmal habe ich mit meinem Mann sonntags vorgekocht was ging und mit nur einem*einer Ehrenamtlichen oder alleine den Montag bestritten“, sagt Schmitzberger.

Mit dem Rentenantritt von Helga Schmitzberger endet nun dieses über 30 Jahre bestehende Projekt. Leider ohne ein offizielles Abschiedskochen, wie Schmitzberger betont.

Am 23.09.2020 fand in einem kleinen offiziellen Rahmen die Einstellung des Projekts Patient*innen-Restaurant im Haus 68 statt.