Patrick Angus – Under the Surface

18. April 2018

Courtesy Galerie Thomas Fuchs © Douglas Blair Turnbaugh
Courtesy Galerie Thomas Fuchs © Douglas Blair Turnbaugh

Am Freitag, den 20. April, beginnt die Ausstellung „Patrick Angus – Under the Surface“ im Museum Bensheim in Kooperation mit der AIDS-Hilfe Hessen. Angus war ein schwuler Künstler, der 1992 an AIDS verstarb. Sein Werk, das auch insbesondere seine schwulen Lebensbezüge im New York der 1980er Jahre intensiv thematisiert, wird nun erstmals in einer Kleinstadt ausgestellt.

Patrick Angus wurde 1953 im kalifornischen Nord-Hollywood geboren. Die Konventionsbrüche und experimentellen neuen Lebensstile der 60er und 70er Jahre boten dem jungen Maler nie zuvor dagewesene Identifikationsfiguren. Der radikale Experimentalismus dieser Zeit, der sich vor allem auch in Veränderungen in Kunst und Kultur ausdrückte, inspirierten den kunstbegeisterten Angus zu einem Studium an der University of California, wo er die Kenntnisse von Sujet und Technik seiner Kunst vertiefte. Besonders fasziniert war Patrick Angus von den Arbeiten des amerikanischen Malers David Hockey, der die glamouröse Seite des schwulen Lebens darstellte.

Doch die Realität, die Patrick Angus erfährt, war nicht vergleichbar mit den Vorstellungen, die Hockneys Bilder vermittelten. Angus zog nach New York und fand Inspiration im Zwiespalt homosexuellen Lebens in Stripclubs und Badehäusern der schwulen Szene. In seinem Werk tritt Angus als passiver Beobachter auf, der gleichzeitig stets ein Teil des Geschehens zu sein scheint, Extase und emotionale Leere, sexuelle Befreiung und Machtverhältnisse, Faszination und Illusion sieht und erlebt.

Positive Erlebnisse, wie kleine Ausstellungen und die höchst produktive Schaffensphase, die er in diesen Jahren erlebte, wurden überschattet von Angus‘ Infektion mit dem HI-Virus und dem baldigen Ausbruch von AIDS, der Krankheit, die das Leben der Gay-Community erschütterte und neben der Stigmatisierung von Homosexualität zahlreiche Todesopfer forderte. Eines davon wurde Patrick Angus selbst. Der Künstler starb 1992 an den Folgen von AIDS. In seinen letzten Wochen trieben Angus allerdings weniger die Gedanken an den eigenen Tod um; viel mehr fürchtete er, sein Oeuvre würde mit ihm in Vergessenheit geraten. Etwas Bleibendes zu hinterlassen war sein größter Wunsch. Erst heute scheint die Kunstwelt bereit für das Werk von Patrick Angus zu sein und schenkt ihm posthum die verdiente Anerkennung.

Patrick Angus malte das, was er sah: Intime Porträts von Freunden und Familie, zahlreiche Selbstporträts mit Variationen des stets gleichen durchdringenden Blicks, die Landschaften und Städte, von denen er sich umgeben findet, und eben immer wieder auch Darstellungen aus der Homoerotik-Szene in New York. In seinen Bildern arbeitet sich Angus an inneren und äußeren Konflikten, die er erfährt, ab. Gesellschaftsgeschichtliche Umbrüche, aber auch die Abbildung von Sehnsüchten, Ängsten, den, teilweise abgründlichen, menschlichen und männlichen Grundbedürfnissen, die Suche nach einem Platz in der Gesellschaft, sind Themen, die Angus durch künstlerische Fertigkeiten und sein einfühlsames Auge in seinen Werken einfängt.

Das Museum Bensheim zeigt in Kooperation mit der AIDS-Hilfe Hessen 50 bedeutende Arbeiten von Patrick Angus – erstmals in einer Kleinstadt. Damit sollen den Themen AIDS, Homosexualität, Licht- und Schattenseiten der schwulen Szene auch im kleinstädtischen Raum ein Platz eingeräumt werden.

 

Patrick Angus
Under the Surface

Museum Bensheim

Marktplatz 13, 64625 Bensheim

Do+Fr 15-18 Uhr

Sa+So 12-18 Uhr