AIDS-Hilfe Frankfurt fordert Neuabstimmung über Richtlinien zur Blutspende

Blutspende
© Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Anlässlich des vergangenen Weltblutspendetags am 14. Juni 2020 und des internationalen LSBT*IQ-Pride-Months fordert die AIDS-Hilfe Frankfurt, die sich seit über 35 Jahren für stigmatisierte Menschen einsetzt, dass über das Verbot der Blutspende für bi- und homosexuelle Männer neu abgestimmt und diese nicht mehr zeitgemäße sowie diskriminierende Richtlinie abgeschafft wird.

Im Jahr 2017 wurde durch die Bundesärztekammer festgelegt, dass bisexuelle und schwule Männer nur dann Blut spenden dürfen, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex mit einem Mann hatten. Diese Regelung ist diskriminierend, da sie die Homosexualität als grundsätzlich gefährlich diskreditiert und unter den Generalverdacht unverantwortlichen Handelns stellt. So wird jeder potenzielle bi- und homosexuelle männliche Blutspender als potenziell HIV-positiv eingestuft. Statistisch gesehen mag das bezogen auf die HIV-Infektion im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung zutreffen. In der hier vorliegenden Pauschalisierung ist es jedoch menschenverachtend und schließt Personen aus, die in Zeiten von zu wenigen Blutprodukten (Erythrozytenkonzentrate, Plasmapräparat und Thrombozytenkonzentrate), potenziell gewillt sind, einen Beitrag zu leisten.

Die Bedingung, als Mann ein Jahr keinen Sex mit einem anderen Mann zu haben, ist nicht nur unangemessen und lebensfremd, sondern dazu noch willkürlich gesetzt. Um Blutspenden sicher zu machen, bedarf es keiner diskriminierenden Sonderregelung sondern praktikabler Lösungen. Die aktuellen Testmöglichkeiten und Nachweiszeiträume zu HIV-Infektionen weisen den Weg. „Eine Kombination dieser Tests mit dem ‚freiwilligen Selbstausschluss‘, sprich der Angabe, dass das Blut möglicherweise eine Infektion in sich trägt, wäre ein denkbarer Kompromiss, der allerdings für alle Blutspendenden zu gelten hätte“, so Achim Teipelke, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Frankfurt. „Es ist wichtig und richtig, dass Kontrollmechanismen stetig hinterfragt, überprüft, aber eben auch korrigiert werden und sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkentnissen orientieren“.

Standardmäßig wird jede Blutspende schon heute auf mögliche Infektionen – darunter auch HIV – untersucht. Nach einer potenziellen Infektion mit HIV lässt sich diese nach sechs Wochen zu 99,9 Prozent ausschließen.

Genauere Verfahren wie der PCR-Test lassen diese eineinhalb Monate sogar auf fast zwei Wochen schrumpfen.

Blut kennt keine sexuelle Orientierung – riskantes Sexualverhalten im Hinblick auf Infektionskrankheiten ebenfalls nicht. Daher ist es unerträglich, heterosexuelle Menschen bevorzugt zu behandeln und ihnen a priori zu unterstellen, verantwortungsvoller in Bezug auf Sexualität und Infektionsrisiken zu agieren.

Das ist Diskriminierung in pseudowissenschaftlichem Gewand. Die jährliche, deutschlandweite Studie des Robert-Koch-Instituts zur Erhebung der Zahl an HIV-Neuinfizierten beispielsweise lässt eine andere Interpretation zu: Die laut gängiger Meinung hauptgefährdete Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben, verzeichnet seit Jahren eine konstante bis sinkende Zahl an HIV-positiv-Getesteten. Die Zahl der HIV-positiv-getesteten heterosexuellen Menschen steigt hingegen – wenngleich nicht immens – an (vgl. HIV/AIDS in Deutschland – Eckdaten der Schätzung*, Epidemiologische Kurzinformation des Robert Koch-Instituts Stand: Ende 2018, Seite 3, RKI, 2018, Online-Quelle). 

Demnach ist es unerlässlich die Richtlinien zu ändern. Die sexuelle Orientierung oder sexuelle Vorlieben dürfen kein Kriterium für die Möglichkeit zur Blutspende sein, wohl aber infektionsrelevantes Verhalten. Das gilt allerdings für alle sexuell aktiven Menschen, gleich welcher Orientierung.