Auch der „Berufsverbrecher“ gehört gedacht!

Intersektionale & offene Veranstaltung zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus in der Katharinenkirche Frankfurt 2022

Intersektionale & offene Veranstaltung zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus in der Katharinenkirche Frankfurt

  • Zeit: 27.01.2022, 18:00 bis 20:30 Uhr
  • Ort des Gedenkens: Katharinenkirche Frankfurt & Gefängnis Klapperfeld
  • Hauptredner: Prof. Dr. Frank Nonnenmacher

Frankfurt am Main, 21. Januar 2022 – Zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus und des 77. Jahrestages der Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz lädt die AHF gemeinsam mit Teilnehmenden aus verschiedenen Religionsgemeinschaften und Zivilgesellschaft (unter 2G+-Regeln) am 27. Januar 2022 zu einer für jedermensch zugänglichen und intersektionalen Veranstaltung in der Katharinenkirche Frankfurt an der Hauptwache, um allen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken.

Ein besonderer Schwerpunkt des Gedenkens wird dieses Jahr auf der Opfergruppe der von den Nationalsozialist*innen als sogenannte „Berufsverbrecher“ Verfolgten liegen, die in den Konzentrationslagern einen grünen Winkel tragen mussten und erst seit Februar 2020 offiziell als Opfergruppe anerkannt sind.

Prof. Dr. Frank Nonnenmacher, Professor der Sozialwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt und Initiator des Bundestagsantrages auf Anerkennung der NS-Opfergruppen der damals sogenannten „Asozialen“ und „Berufsverbrecher“: „Dass am 27. Januar 1945 sowjetische Truppen das Konzentrationslager Auschwitz befreit hatten, wurde durch illegale Kanäle auch im KZ Sachsenhausen bekannt. Die Häftlinge, unter ihnen auch zahlreiche Menschen, die die Nazis „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ nannten, jubelten und hofften auf baldige eigene Befreiung. So auch mein Onkel Ernst, der wegen seiner von den Nazis attestierten ‚Asozialität‘ in die KZ Flossenbürg und Sachsenhausen kam und dort ‚durch Arbeit vernichtet‘ werden sollte. Während die anderen Häftlingsgruppen nach und nach als Opfer des Faschismus anerkannt und entschädigt wurden, einige beschämend spät, wie etwa Sinti und Roma oder die Homosexuellen, wurde dies den KZ-Häftlingen, die zur Markierung einen grünen oder schwarzen Winkel tragen mussten, jahrzehntelang verwehrt. Erst im Februar 2020 wurden durch meinen Appell an den Deutschen Bundestag die bis dahin, nicht ‚vergessenen‘, sondern bewusst ignorierten Opfer als Verfolgte des Nationalsozialismus anerkannt. Der Beschluss des Bundestages beinhaltet die Erstellung einer Wanderausstellung zu den bislang aus der Erinnerungskultur Ausgeschlossenen. Die Vorbereitungen dafür sind zurzeit im Gange.

Die Umsetzung weiterer Punkte des Bundestagsbeschlusses aber lässt auf sich warten. Ich werde am 27. Januar 2022 in der Katharinenkirche eine Würdigung und eine Kritik des Bundestagsbeschlusses vornehmen. Nach nunmehr fast zwei weiteren Jahren ist eine kritische Bilanz nötig, wenn man nicht erneut Teil eines großen Schweigens werden will.“

 

Geplanter Ablauf

18:00 – 19:00 Uhr

  • Eröffnungsreden: Lucas Nikodym, Regenbogen-Crew der AHF und Jessica Purkhardt, Vorstandsmitglied der AHF
  • Interviewgespräche zum Thema: Zwei Jahre nach der Anerkennung der „Berufsverbrecher“ als verfolgte Gruppe des Nationalsozialismus – Was ist bisher passiert?
    • Teilnehmende:
      • Hauptredner: Prof. Dr. Frank Nonnenmacher (Professor der Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Initiator des Bundestagsantrages auf Anerkennung der NS-Opfergruppen der damals sogenannten „Asozialen“ und „Berufsverbrecher“)
      • Dagmar Lieske (Autorin „unbequeme Opfer? ‚Berufsverbrecher‘ als Häftlinge im KZ Sachsenhausen“; aufgezeichnetes Videointerview wird gezeigt)
      • Pia Arnold-Rammé (Referentin für Sozialpastoral der katholischen Stadtkirche Frankfurt und ehemalige Gefängnisseelsorgerin)
    • Moderation: Rainer Frisch
  • Musikalische Begleitung durch das Merian Streichquartett (3-4 Stücke)

 

19:15 – 19:30 Uhr

  • Gedenklauf zum ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld mit dortiger Schweigeminute

 

19:30 – 20:30 Uhr

  • Freiwillige Führung durch die Ausstellung des Gefängnisses