Statement der AHF zum trans*feindlichen Angriff am Samstag, 20.03.2021, im Bermudadreieck der Frankfurter LSBTIQ+-Community

Gewalt gegen LSBTIQ+ in der Frankfurter Innenstadt – Probleme endlich erkennen und benennen

Trans Rainbow Flagge Flag
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Nach einer neuerlichen Gewalttat gegen eine Trans*frau in der Frankfurter Innenstadt am Samstagabend, 20.03.2021, äußert sich der Vorstand der AHF (AIDS-Hilfe Frankfurt) besorgt über die Ignoranz gegenüber der LSBTIQ+-feindlichen Gewaltproblematik in der Frankfurter Innenstadt. „Wenige Monate nachdem eine ganze Gruppe eine queere Person mitten auf der Zeil verprügelte, steht Frankfurt nun wieder mit einem trans*feindlichen Gewaltübergriff in den bundesweiten Nachrichten. Diesmal fand der Vorfall sogar mitten im queeren Szeneviertel statt. Damit wächst die Sorge in der Community, dass Gewalt gegen sie wieder zunimmt und damit gleichsam das Sicherheits- und Freiheitsempfinden schwindet. Die Beteuerungen von Politik und Behörden, dass die Straftaten im Innenstadtbereich rückläufig seien, haben dieser Frau nicht geholfen“, sagt Jessica Purkhardt vom Vorstand der AHF. „Weniger Taschendiebstähle, sogar weniger Gewaltdelikte in der Statistik bedeuten nichts, wenn die Gewalt gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, wie Lesben, Schwule oder Trans*, gleichbleibt oder sogar zunimmt“, erklärt sie die Skepsis gegenüber der bloßen Zahlenbetrachtung.

„Auch die separate Erfassung trans*feindlicher Straftaten kann nur ein zusätzliches Instrument zum Erkennen von Tendenzen sein, das wegen des hohen Dunkelfeldes bei Straftaten gegen diese Bevölkerungsgruppe aber nie ihre tatsächliche Gefährdung abbilden kann. Nach mehreren Faustschlägen ins Gesicht besteht bei den meisten Menschen nicht der Wunsch, zunächst ein behördliches Verfahren anzustoßen – erst recht nicht, wenn im Zusammenhang mit der Gewalt auch noch ihre Identität herabgewürdigt wurde“, sagt Purkhardt.

Der AHF-Vorstand sieht in der Anklageerhebung gegen den Gewaltakt auf der Zeil vor fünf Monaten und vor allem in der Tatsache, dass die Frankfurter Polizei im aktuellen Fall eine Anzeige von Amts wegen gefertigt und die Meldung gleich an die Öffentlichkeit gebracht hat, im Vergleich zum Umgang mit LSBTIQ+-feindlichen Straftaten in der Vergangenheit nun ein erhöhtes Problembewusstsein. „Solche Signale nehmen wir sehr wohl wahr. Wenn sich die Polizei als sichtbarer Verbündeter von LSBTIQ+ zeigt, ist allein das schon ein wichtiger Beitrag zu ihrem Schutz. Denn damit macht sie klar, dass queere Menschen kein Freiwild sind, denen man wie in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts weitgehend ungeahndet Gewalt und Demütigung antun kann, während Polizei, Justiz und Politik wegschauten“, ergänzt AHF-Vorstand Christian Setzepfandt. „Als AHF sind wir damals für den Gewaltschutz für die Angehörigen unserer Community eingetreten und wir fordern auch heute als AHF unbeirrt ein, bestehende Probleme zu erkennen, zu benennen und ihnen mit konkreten Maßnahmen sukzessiv, aber konsequent entgegen zu treten“, macht Setzepfandt klar.

„Während Polizei und Justiz den Straftaten nachgehen, erwarten wir jetzt besonders von der Politik unmissverständliche Signale, dass sie die Sorgen der LSBTIQ+-Community ernst nehmen und sich konkret damit befassen, statt sie klein zu reden und nach einigen Monaten den nächsten Gewaltübergriff zu beklagen. Frankfurt schmückt sich mit Attributen wie Internationalität, Diversität, Toleranz und Liberalität, welche die Lebensqualität in dieser Stadt ausmacht und gerade durch solche Vorkommnisse aus den Fugen gerät. Freiheit ist keine Regenbogenfahne auf dem Römer, sondern beginnt mit dem Gefühl dazuzugehören und findet Ausdruck im Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, gerade auch im sicheren Weg von A nach B“, schließen die AHF-Vorstände Jessica Purkhardt und Christian Setzepfandt.