Nachruf- Wir trauern um unseren lieben Kollegen Mark Hayward

Person vor Fluss und Häusern

Wir erhielten die unfassbare Nachricht vom Tod unseres Mitarbeiters Mark Hayward, der während seines Tunesienurlaubes in Folge eines Verkehrsunfalles am 28. Dezember 2022 im Krankenhaus in Tunis im Alter von nur 56 Jahren verstorben ist.

Mark Hayward war seit dem 15.März 2018 Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Frankfurt und hier als einer der zwei Leitungskräfte unserer Flüchtlingsunterkunft „La Villa“ und im Rainbow Refugee Support beschäftigt.

Mark wurde in den USA geboren und als US-Amerikaner musste er erfahren, dass auch er in Deutschland selbst wie ein Fremder behandelt wurde.  Er hatte in den USA seinen Partner geheiratet, die Ehe wurde in Deutschland allerdings damals nicht anerkannt (das war noch vor der gesetzlichen Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Deutschland). Aufgrund dessen bekam er keine Aufenthaltsgenehmigung und wurde sogar aus Deutschland ausgewiesen. Zeitweise lebte er in Polen, damit er die Nähe zu seinem Mann halten konnte.

Insofern konnte er aus eigener Erfahrung nachvollziehen, was Fremdheit und Unsicherheit im Zusammenhang mit Flucht, Migration und Asyl für Menschen bedeutet. Schon in den USA hat sich Mark für geflüchtete Menschen aus dem LSBT*IQ-Spektrum eingesetzt und dort in einer freiwilligen Organisation gearbeitet.

Dieses Engagement hat er hier in Deutschland – nachdem er nun auch rechtmäßig hier leben durfte- weitergeführt.

Er gehörte zu den Mitinitiatoren der 2015 gegründeten Rainbow Refugees e.V. in Frankfurt, zu denen er 2016 dazu stieß. Ihm lagen vor allem die Menschen und deren individuelles Schicksal am Herzen; für sie wollte er seine Kraft und Erfahrung einsetzen, für sie hat er gestritten und gekämpft. Er hat sich dafür eingesetzt, dass sich die ehrenamtliche Rainbow Refugee Gruppe der AIDS-Hilfe Frankfurt anschließt und damit auch professionalisiert. Die Menschen sollten ganz praktisch Hilfe erfahren.

Seine imposante Erscheinung strahlte Ruhe und Sicherheit aus, seine Zugewandtheit, seine Sprachkenntnisse aber auch seine pragmatische, optimistische und liebevolle Art, sein Wissen um das schicksalhafte Ausgeliefertsein, seine Behördenerfahrung und sein sehr persönlicher Zugang zu diesem Thema, haben ihn zu einem ganz besonderen Paten und auch Freund für die Menschen werden lassen.

Mark war neugierig auf die Welt, die verschiedenen Kulturen und ihre Menschen. Das Reisen war seine Passion. Er hat viele Länder bereist- darunter auch eine nicht geringe Anzahl an Ländern, aus denen heute Geflüchtete zu uns kommen. Mit diesem Wissen konnte er oft auch in den Anhörungen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die zum Teil wahrheitswidrigen Vorstellungen über vermeintlich kulturelle Duldung und Akzeptanz von LSBT*IQ in den Herkunftsländern, die dann zu Ablehnungen der Asylanträge führen sollten, entkräften. Das war ein großes Plus.

Wir verlieren daher mit seinem Tod nicht nur einen parteilichen Streiter, einen solidarischen, loyalen und engagierten Mitarbeiter, sondern vor allem einen liebenswerten Menschen, der unser Team und unsere Organisation mit seinem Wesen, seinem Wissen und seinen Erfahrungen bereichert hat.

Es ist einfach nur traurig.

Wir sind noch immer fassungslos und geschockt. Unsere Gedanken sind bei seinem Ehemann, seinen Angehörigen und seinen Freund*innen.

Sein Leben und Wirken waren nicht vergebens. Vielen Menschen hat Mark durch sein Zutun zu einer neuen Perspektive in einer neuen Heimat verholfen. Wir sind sehr dankbar und froh, ihn an dieser so entscheidenden Stelle als Aufbau- und Entwicklungshelfer für unseren Geflüchtetenbereich an unserer Seite gehabt zu haben und werden uns auch weiterhin in seinem Sinne für diese Menschen einsetzen.